
Stellungnahme vom 12. Oktober 2026:
Viel Blaulicht um nichts – Durchsucht, diffamiert, aber immer noch da!
Am Abend des 6. September stürmte und durchsuchte die Polizei das Autonome Zentrum Aachen nach einer antifaschistischen Spontandemonstration anlässlich des Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt. Am nächsten Tag wurde die provisorisch verschlossene Tür erneut aufgebrochen und das AZ ein weiteres Mal durchsucht. Wir möchten euch über den aktuellen Stand der Dinge informieren.
Uns als AZ liegt nach wie vor kein schriftlicher Durchsuchungsbeschluss vor, der erklärt, auf welcher Grundlage die Polizei mehrfach teils unter beträchtlichem Sachschaden in unsere Räumlichkeiten eingedrungen ist. Unser Anwalt hat unmittelbar nach der Durchsuchung Akteneinsicht beantragt. Erst nach mehrfacher Nachfrage hat die Staatsanwaltschaft sie nun gewährt, mehr als einen Monat später. Wir prüfen die Akte nun gemeinsam mit unserem Anwalt.
Nach unserem Kenntnisstand wird nicht gegen uns als Verein ermittelt. Laut der Aachener Zeitung laufen die Ermittlungen in der Sache „gegen Unbekannt“. Uns als AZ wird also juristisch nichts vorgeworfen – doch das spiegelt sich nicht in der Darstellung der Aachener Polizei und Staatsanwaltschaft, sowie der medialen Berichterstattung der letzten Wochen wider.
Falschbehauptungen der Polizei
Zum Hergang der Durchsuchung verbreitet die Polizei Falschbehauptungen, denen wir an dieser Stelle ausdrücklich widersprechen möchten: Entgegen ihrer Darstellung in der lokalen Presse wurde unser Vorstand im Vorfeld nicht über die zweite Durchsuchung informiert, obwohl er der Einsatzleitung bereits in der vorigen Nacht als Kontaktperson bekannt war. Weiterhin erklärte die Polizei, bei der Durchsuchung des AZ seien zunächst keine verantwortlichen Personen vor Ort gewesen, dabei war eine unserer Vorstandspersonen Minuten nach Beginn der Maßnahme vor Ort. Sie wurde jedoch von der Polizei mit fadenscheiniger Begründung nicht als Zeug*in bei der Durchsuchung zugelassen. Laut der Polizei wäre außerdem weder vor Ort noch telefonisch ein Rechtsanwalt als bestellter Vertreter zu erkennen gewesen, dabei weigerte sich die Polizei vor Ort schlicht, mit unserem telefonisch hinzugezogenen Anwalt zu sprechen.
Unser Anwalt Christian Mertens bewertet den Einsatz deutlich: „Unabhängig vom Grund war die Art und Weise der Durchsuchung gleich in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig. Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass die Polizei ungeachtet aller Verfahrensgarantien erst mal viel Zeit allein und unbeobachtet in dem Gebäude verbringen wollte. Bei mir als Rechtsanwalt schrillen da alle Alarmglocken.“
Große Schlagzeile, nichts dahinter
In den Tagen und Wochen nach der Durchsuchung hat sich die Berichterstattung über das AZ zunehmend zugespitzt, zuletzt insbesondere mit Verweis auf die Gegenstände, die laut Polizei im AZ sichergestellt wurden. Groß wird getitelt, dass „Schlagwerkzeuge, Zwillen und Pyrotechnik“ sichergestellt worden seien. Was dieser Auflistung fehlt, ist irgendetwas auch nur ansatzweise Verbotenes. Wo ist der Skandal?
Die Strategie der Polizei und Staatsanwaltschaft Aachen ist durchschaubar:
Mit dem überzogenen Ausmaß des Einsatzes und ihrem autoritären Vorgehen während der Durchsuchungen hat sich die Polizei nicht nur politisch, sondern auch rein rechtlich mehr als fragwürdig verhalten. Um diese Grenzüberschreitungen im Nachhinein als notwendig und angemessen zu rechtfertigen, soll das AZ nun als Ort voller gefährlicher Gewalttäter*innen diffamiert werden.
In der Aachener Zeitung wird zuletzt sogar der Verfassungsschutz angefragt, der unseren Laden als „Treffpunkt der linksextremistischen Szene“ beschreibt. Was das genau bedeuten soll, bleibt unklar, denn „Linksextremismus“ ist ein politikwissenschaftlich mehr als umstrittener Begriff. Er wird vor allem gerne bemüht, um soziales und antifaschistisches Engagement auf eine Stufe mit Neonazis und anderen Faschisten zu stellen. Während Faschismus sich in den deutschen Parlamenten breitmacht, wird hier die Gefahr lieber links gesucht. Dass die Polizei ausgerechnet am Abend des AfD-Wahlsieges unsere Tür(en) aufgebrochen hat, hat fast schon eine gewisse Komik, wenn es nicht so verdammt gruselig wäre.
Wer wir wirklich sind
Das AZ Aachen, wie es heute ist, ist aus sozialem und politischem Engagement der letzten Jahrzehnte entstanden. Seit es unseren Raum gibt (inzwischen 33 Jahre), haben wir Tausende von Partys, Konzerten, Workshops, Ausstellungen oder Theateraufführungen beherbergt. Das AZ ist dabei aber mehr als eine „Partylocation“.
Wir verstehen uns als kulturellen und politischen Freiraum, in dem Meinungen gebildet, diskutiert und geändert werden. Er ist offen für unterschiedliche Gruppen und Initiativen, Veranstaltungsformate und Themen. Wir teilen einige ganz grundlegende politische Standpunkte und sind gerade dadurch, dass wir das AZ gemeinsam gestalten, im politischen Handeln verbunden. Dabei stehen wir klar für eine antifaschistische Politik, die die unterdrückenden und diskriminierenden Strukturen in unserer Gesellschaft benennt und hinterfragt.
Autonomie bedeutet für uns Selbstverwaltung, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Wir organisieren uns basisdemokratisch: Entscheidungen werden stets im Kollektiv und nach dem Konsensprinzip getroffen. Alle Mitarbeitenden des AZ engagieren sich ehrenamtlich und bekommen kein Geld für ihre Arbeit.
Der Laden ist vollständig selbstfinanziert und damit auf die Spenden unserer Besucher*innen und unseren Getränkeverkauf angewiesen. Auch von der Stadt sind wir finanziell unabhängig, da wir keine Fördergelder o.ä. beziehen. Gleichzeitig sind wir explizit ein unkommerzieller Raum. Unser Anspruch ist es, allen Menschen unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen, das Programm des AZ wahrzunehmen. So wollen wir soziale und kulturelle Teilhabe ermöglichen und soziale Ungleichheit abbauen. Und wer Lust hat, den Freiraum AZ mitzugestalten und zu unterstützen, ist jederzeit herzlich willkommen.
Danke für eure Solidarität
Dass es einen solchen Raum in Aachen braucht, zeigen die vielen Solidaritätsbekundungen, die wir in den letzten Wochen erhalten haben: von Bands, politischen Initiativen, Parteien und Einzelpersonen. Von unseren Freund*innen in Aachen, aber auch bundesweit und international. Vielen Dank an alle, die trotz strömenden Regens zur Soli-Demonstration gekommen sind, oder sich anderweitig solidarisch zu Wort gemeldet haben. Es fühlt sich gut an, dass so viele verschiedene Menschen und Gruppen unseren Laden und unsere Arbeit wertschätzen. Wir brauchen euch weiterhin an unserer Seite.
Wenn die Gesellschaft nach rechts rückt, wird der Wind schärfer für linke Räume und Autonome Zentren. Das müssen wir nun auch in Aachen feststellen. Dabei sind solche Räume Grundlage für solidarisches Miteinander und alternative Lebensentwürfe. Wachsam, aber auch besorgt blicken wir auf die nächsten Jahre. Die letzten Wochen waren anstrengend, aber sie haben unseren Kampfgeist nicht gebrochen.
AZ bleibt!
P.S.: Der Ersatz unserer Tür ist ein großer finanzieller Kostenpunkt für uns. Ihr könnt uns mit einer Spende unterstützen. Die Spendenaktion startet in den nächsten Tagen.
Autonomes Zentrum Aachen
12.10.2026
Zu den Hintergründen:
Stellungnahme vom 7.9.
Stellungnahme vom 8.9.
Stellungnahme und Demo-Bericht vom 13.9.
