Am Abend des 6. September versammelten sich gegen 20:30 Uhr Menschen in der Innenstadt zu einer antifaschistischen Spontandemonstration. Anlass war das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Demonstration zog vom Elisenbrunnen in Richtung Hauptbahnhof. Der Demozug wurde von Einsatzkräften in Richtung des Autonomen Zentrums gedrängt und dort von einem großen Polizeiaufgebot erwartet. Vor dem AZ wurde die Demo dann gekesselt. Eine vorrückende Hundertschaft zwang die Anwesenden dazu, in das AZ auszuweichen und die Tür zu schließen. Der Kommunikationsweg nach unten wurde dadurch abgeschnitten.
Was dann folgte waren Stunden, in denen etwa 50 Menschen im AZ ausharrten, das mit einem enormen Aufgebot an Polizei und Behörden umstellt war. Obwohl es Versuche der Demonstrierenden gab, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen und zu kooperieren, wurde um 00:30 Uhr gewaltsam das AZ gestürmt. Die Polizei nahm die Personalien der Anwesenden auf und nahm circa 10 Personen in Gewahrsam. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand wurden in den Morgenstunden alle in Gewahrsam genommenen Personen wieder freigelassen. Gegen ungefähr 4 Uhr konnten alle weiteren Personen das AZ verlassen. Der Haupteingang wurde versiegelt und wir bis jetzt (ca. 11 Uhr) von der Polizei überwacht. Es gibt bislang keinen Tatvorwurf und keinen Durchsuchungsbeschluss.
Das Vorgehen der Polizei bewerten wir als absolut unverhältnismäßig. Nichts an diesem Abend rechtfertigt ein Aufgebot dieser Größe, einen stundenlangen Kessel vor unserer Tür und einen gewaltsamen Zugriff auf unsere Räume und die Protestierenden.
In über 30 Jahren AZ-Geschichte kam es niemals zu einer solchen Maßnahme. Die Folgen sind für uns aktuell nicht abzuschätzen.
Für uns bleibt dies als düsterer Abschluss eines bereits dunklen Tags: Eine rechtsextreme Partei wird stärkste Kraft in einem Landtag, während Staat & Polizeiapparat nichts Besseres zu tun haben, als denjenigen, die sich dagegen wehren, massiver Repression auszusetzen.
Was in dieser Nacht passiert ist, betrifft nicht nur die 50 Menschen, sondern alle, die das AZ nutzen. Wir prüfen rechtliche Schritte gegen den Einsatz und fordern eine Erklärung der Behörden.
AZ bleibt!
